Kirche Großweikersdorf

Geschichte
Im Tal der Schmida, um einen langgestreckten, rechteckigen Hauptplatz, liegt der Ort Großweikersdorf mit der Pfarrkirche St Georg. Während sich südlich der Donau im frühen ersten Jahrhundert nach Christus die Römer etablierten, war nördlich davon Siedlungsgebiet slawischer und germanischer Stämme. Der Name leitet sich daher vermutlich vom slawischen Vitegoy ab. Im Mittelalter gab es etliche Veränderungen: Witigersdorf' Wirgensdorf, Weitkensdorf (Weikhersdorf).
Die Bezeichnung ,,Groß" wurde erst im 19. Jahrhundert hinzugefügt, um zwischen Orten gleichen Namens besser unterscheiden zu können.
1241 wurde die Pfarre erstmals genannt. Kurz zuvor dürfte sie von der Mutterpfarre Kirchberg am Wagram abgetrennt worden sein. 1727 zerstörte eine Feuersbrunst einen Großteil des Ortes, den Kirchturm und das Dach der Kirche sowie das Pfarrhaus mit allen Nebengebäuden. Der Pfarrhof wurde auf dem Platz des vorherigen schnell wieder aufgebaut, und 1733 entschloss sich dann der Patronatsherr Graf Enkevoirt von Grafenegg, statt das alte Gotteshaus zu reparieren, ein ganz neues in der Mitte des Ortes aufzuführen.
Ein Rechteck, etwa doppelt so lang wie breit, bildet den Grundriß. Innerhalb dieses Rechtecks zeichnet sich ein quadratischer Mittelbau ab.
Dieser ist durch vier eingezogene quadratische Eckpfeilerblöcke, die im Erdgeschoß offen und begehbar sind und im Obergeschoß oratorienartige Fensteröffungen zum Kirchenraum hin aufweisen, ein kreuzförmiger Raum entstanden. Der Längsarm dieses Kreuzes grenzt einerseits an den Chorraum, andererseits an den Eingangsraum mit der darüberliegenden Orgelempore.
Der Hochaltar, wie auch die beiden Seitenaltäre im Querraum, gehen vermutlich auf Entwürfe des Architekten der Kirche, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, zurück. Mit ihren kraftvollen Formen stehen sie in Kontrast zur fast spartanischen architektonischen Gestaltung des Innenraumes. Die Form des vergoldeten Tabernakels auf dem Hochaltar ist vom Gnadenaltar in Mariazell abgeleitet.
Auf dem Altar im rechten Querarm, dem Kreuzaltar, befindet sich ein Bild von Johann Martin Schmidt, einem der wichtigsten und fruchtbarsten österreichischen Barockmaler. Auf dem Altar im linken Querarm sieht man den hl. Ivo von Chartres. Er war seit dem Jahr 1090 dort Bischof und Verfasser bedeutender kirchenrechtlicher Werke, deshalb ist er auch der Patron der Juristen. Auf dem Altartisch steht eine Nachbildung der Brünner Madonna, bezeichnet 1730, ein Gnadenbild, das in Südmähren sehr verehrt wird. Enkevoirt hatte dort ausgedehnte Besitzungen, so dass ihm das Bild bekannt war und er vermutlich eine Kopie anfertigen ließ. Die spätbarocke Kanzel wurde 1758 vom Wiener Bildhauer Jakob Rechländer erstellt.
Zu den Seltenheiten gehört das ,,Heilige Theater", eine Kreuzabnahme mit Johannes und heiligen Frauen von 1742, das in der Grabkapelle hinter der rechten Seitenkapelle steht. Es handelt sich hier um eine der Kulissenmalerei ähnliche Darstellung, die einem Angehörigen der damals bekannten Künstlerfamilie Galli da Bibiena, die in Melk und Wien gearbeitet hat, zugeschrieben wird.
Links von der Kreuzabnahme ein altes Fastenbild, rechts ein Heiliges Grab mit dem blatterarmigen Leib Christi, der aus der Zeit um 1750 stammen dürfte. Der sehr gut gestaltete Taufstein mit einem von Putti gehaltenen Marmorbecken wurde 1735 vom Eggenburger Bildhauer Johann Georg Schmutzer geschaffen. Der hölzerne Aufsatz mit der Taufe Christi von 1957 steht an Stelle einer verlorengegangenen Statue Johannes des Täufers. 1939-1940 erfolgte die Ausgestaltung und Einrichtung der Unterkirche durch Architekt Robert Kramreiter. Der Altar ist aus Adneter Marmor, auf dem geschmiedeten Kreuz befinden sich altchristliche Katakombensymbole. Gedenktafeln erinnern an die hier befindliche letzte Ruhestätte von fünf Priestern und an alle Pfarrer seit dem Dreißigjährigen Krieg.